German Foreign Policy. 03.06.2009 - Stürzende Giganten
(II)
RÜSSELSHEIM/DETROIT/OBERWALTERSDORF (Eigener Bericht) - Langfristig wirksame Kräfteverschiebungen im transatlantischen
Verhältnis überschatten den Kurzbesuch des US-Präsidenten in der
Bundesrepublik. Der Bankrott des US-Autoriesen General Motors (GM) und
die von Berlin erzwungene Abtretung der europäischen Konzernteile (Opel,
Vauxhall) an ein Deutschland verbundenes Konsortium führen zu großen Einbußen
in der US-Automobilindustrie. Die Einbindung Moskaus in die
neue Opel-Führung und die geplante Ausrichtung des Automobilherstellers
auf die Märkte der früheren Sowjetunion stärken das
deutsch-russische Sonderbündnis und verleihen dem Kollaps der rund
80jährigen deutsch-amerikanischen Firmenallianz zusätzliches Gewicht. Der
Vorgang entspricht anhaltenden Einbußen im deutsch-amerikanischen
Handel, während der Warenaustausch zwischen Deutschland und
Osteuropa, insbesondere Russland, ungebrochen wächst. Die Kräfteverschiebung
geht mit der Steigerung des deutschen Gewichts in Europa einher: Der
Abbau von Produktionskapazitäten bei Opel trifft zum überwiegenden
Teil Fabriken außerhalb der Bundesrepublik. http://www.german-foreign-policy.com/de/fulltext/57544
(...) Hinter der ganzen Diskussion über eine oder mehrere „Bad Banks“ verbirgt sich
die Illusion oder bewußt verbreitete Unwahrheit, nur ein „ganz kleiner Teil“ des
Giftmülls sei wirklich toxisch - die meisten Papiere seien zwar im Moment nicht
zu verkaufen, aber nach einigen Jahren, „nach der Krise“, könnten sie wieder zu
Preisen verkauft werden, die ihrem ursprünglichen Marktwert entsprechen. Und
genau das ist völliger Blödsinn! Herr Steinbrück kann soviel auf
Liechtenstein und die Schweiz eindreschen, wie er will: Solange nichts an den
Steueroasen in London, in den USA und im Commonwealth geändert wird, geht das
Spiel voll weiter. Wir brauchen keine „Transparenz“ bei Hedgefonds und
Beteiligungsgesellschaften, deren ungezügelte Operationen ja überhaupt erst von
der rot-grünen Regierung ermöglicht wurden, sondern wir müssen sie verbieten,
genauso wie die „innovativen Finanzinstrumente“, die nichts anderes sind als
betrügerische Kettenbriefgeschäfte, bei denen Schulden und Hypotheken durch
sogenannte Verbriefungen mehrfach in Aktivvermögen verwandelt werden. Die
Wahrheit ist, daß es den Spekulanten, die sich verzockt haben, auch jetzt nur um
ihren vermeintlichen Profit geht, und es ihnen vollkommen egal ist, wenn die
Zahl der Hungernden laut FAO inzwischen auf mehr als eine Milliarde Menschen
angestiegen ist. Es ist ihnen genauso egal, wenn inzwischen schon viele
Millionen Arbeitsplätze und die Existenzen unzähliger Familien weltweit zerstört
wurden. Wenn man weiter versucht, die Kasinowirtschaft aufrecht zu erhalten,
wird die Realwirtschaft weltweit weiter abstürzen; der Absturz der ost- und
südeuropäischen Staaten wird das Bankensystem ganz Europas sprengen,
Staatsbankrott wird in vielen Ländern folgen, die Exportnationen der Welt werden
abstürzen und die rohstoffproduzierenden Länder werden verarmen. Gleichzeitig
droht sich die gewaltige Schuldenlast, die die Regierungen mit ihren „Paketen“
geschaffen haben, in einer hyperinflationären Explosion wie 1923 in Deutschland
zu entladen, nachdem die Wirtschaft platt am Boden liegt - nur diesmal weltweit.
Gerade wegen der Globalisierung und der innovativen Finanzinstrumente ist heute
die ganze Weltwirtschaft ineinander verwoben, und deshalb ist die jetzige Krise
viel schlimmer als die Depression der dreißiger Jahre, sie ist in der ganzen
Geschichte beispiellos. Wenn verhindert werden soll, daß aus der Finanz- und
Wirtschaftskrise eine politische und soziale Krise und schließlich ein Absturz
ins Chaos und ein neues dunkles Zeitalter wird, dann müssen die Regierungen mit
dem Paradigma der Kasinowirtschaft brechen, d.h. sie müssen etwas tun, was sie
bisher versäumt haben, nämlich die Macht der Finanzoligarchie brechen, und sich
daran erinnern, daß sie in ihrem Amtseid geschworen haben, das Gemeinwohl zu
verteidigen(....). http://bueso.de/artikel/kontrolle-finanzoligarchie-uber-europa-muss-gebrochen-werden